"Hackertools"

Konkret teilt die Bundesregierung beim besonders umkämpften Entwurf für den neuen Paragraphen 202c Strafgesetzbuchs (StGB) nicht die Befürchtung des Bundesrates, dass auch der gutwillige Umgang mit Softwareprogrammen zur Sicherheitsprüfung von IT-Systemen kriminalisiert werden könnte. Mit der Klausel sollen Vorbereitungshandlungen und der Einsatz und die Verbreitung von „Hacker-Tools“ bestraft werden. Schon auf „Tatbestandsebene“ werde dabei verlangt, dass es sich objektiv um ein Computerprogramm handeln müsse, dessen Zweck die Begehung einer Straftat ist, verteidigt die Bundesregierung ihren Vorschlag. Andererseits sei auch festgeschrieben, dass „das Herstellen, Verschaffen, Verkaufen, Überlassen, Verbreiten oder sonst Zugänglichmachen“ von Hackerwerkzeugen zur Vorbereitung einer Computerstraftat erfolgen müsse.

heise newsticker

Sehr geehrte Gesetzgeberinnen, sehr geehrte Gesetzgeber,

wie heißt es in der Werbung für die gelben Seiten so schön? Vielleicht hätten Sie jemanden fragen sollen, der sich mit sowas auskennt. Da ich mir selbst am nächsten bin, nehmen wir mich mal als Beispiel. Ich habe da einen Server im Internet, auf dem Dienste laufen. Diese Dienste sind manchmal fehlerhaft, so dass sie einem „bösen Menschen“ (so die Diktion in letzter Zeit) eventuell die Möglichkeit geben, diesen Server unter seine Kontrolle zu bringen, und von diesem Punkt aus „böse Dinge“ zu tun. Um zu verhindern, dass „böse Menschen“ „böse Dinge“ mit Hilfe meines Servers tun können, prüfe ich mit vorhanden Werkzeugen, ob mein Server für das Ausnutzen von Fehlern anfällig ist.

Die Programme, die ich dazu nutze, sind diejenigen, deren Besitz Sie in Zukunft unter Strafe stellen wollen. Als rechtschaffener Bürger soll es mir also nicht mehr möglich sein, zu verhindern, dass „böse Menschen“ „böse Dinge“ mit meinem Server anstellen. „Das ist ja auch verboten!“ werden Sie sagen, aber leider, liebe Gesetzgeberinnen und Gesetzgeber, interessiert es einen russischen, kubanischen oder südafrikanischen (oder welcher Nationalität auch immer) Hacker einen feuchten Kehricht, ob das Programm, mit dem er meinen Server unter seine Kontrolle bringt in Deutschland verboten ist oder nicht.

Bitte kommen Sie im dritten Jahrtausend an! Es gibt kein „deutsches Internet“, „europäisches Internet“ oder ähnliches – ein jeder Computer, der an das Internet angeschlossen ist, kann mit jedem anderen Computer im Internet Verbindung aufnehmen, ob aus Zufall, in guter oder in schlechter Absicht.

Selbst wenn „Hackertools“ auf der ganzen Welt verboten wären, würde das nichts bringen. Oder ist im Bundestag bisher jemand auf die Idee gekommen, man könnte Einbrüche verhindern, indem man den Vertrieb von Kuhfüßen verbietet? Warum nicht? Weil ein Kuhfuß ein Werkzeug ist, dass zum Guten wie zum Schlechten verwendet werden kann, im Werkzeug selbst liegt nicht die Absicht verborgen, der Nutzer macht diese Absicht aus.

Leider scheinen Sie dies im Bereich der Informationstechnologie anders zu sehen, und ich kann Ihnen nur sagen: Sie irren. Auch die von Ihnen genannten „Hackertools“ sind überwiegend Werkzeuge. Eine Definition kann hier einfach nicht klar sein. Was die einen als „Angriffsbaukasten“ bezeichnen würden, ist für einen Systemadministrator lebensnahe Test seiner IT-Infrastruktur. Ein Verbot von Hackertools kriminalisiert somit nur IT-Verantwortliche und Kundige, diejenigen, die „Hackertools“ mit „bösen Absichten“ nutzen machen sich seit jeher dem Straftatbestand der Datenveränderung schuldig. Dieses Gesetz ist nicht nur sinnlos, sondern auch gefährlich, weil er IT-Sicherheit in eine juristische Grauzone rückt.

Mit freundlichen Grüßen,
Markus Fritsche

Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz

Der Innenausschuss des Bundestags hat in seiner Sitzung am gestrigen Mittwoch mit schwarz-roter Mehrheit den Weg zur Einrichtung der Anti-Terror-Datei sowie für das Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz (TBEG) mit ein paar Änderungen frei gemacht. Mit dem Votum stehe einer „wirksamen Terrorismusbekämpfung“ nun nichts mehr entgegen, freuen sich mit Hans-Peter Uhl, Ralf Göbel und Clemens Binninger gleich drei Innenexperten der CDU/CSU-Fraktion über den Beschluss. Der großen Koalition sei es so gelungen, „die Sicherheitsarchitektur Deutschlands nachhaltig zu verbessern“. Von einem „Quantensprung“ für die innere Sicherheit ist die Rede. Oppositionspolitiker von FDP, Grünen und Linken protestierten gegen die überhastete Einigung zwischen SPD und Union und beklagen die drohende Verabschiedung verfassungswidriger Gesetze.

heise newsticker
Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Ich bedanke mich hiermit bei allen Mitbürgern, die einer „abstrakten Gefahrenlage“ so viel Bedeutung beimessen, dass eine relativ unkritische Medienberichterstattung möglich wird und solche Gesetze den deutschen Bundestag passieren können.

Tatsächlich, rechtherzlichen Dank.

Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz

Der Innenausschuss des Bundestags hat in seiner Sitzung am gestrigen Mittwoch mit schwarz-roter Mehrheit den Weg zur Einrichtung der Anti-Terror-Datei sowie für das Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz (TBEG) mit ein paar Änderungen frei gemacht. Mit dem Votum stehe einer „wirksamen Terrorismusbekämpfung“ nun nichts mehr entgegen, freuen sich mit Hans-Peter Uhl, Ralf Göbel und Clemens Binninger gleich drei Innenexperten der CDU/CSU-Fraktion über den Beschluss. Der großen Koalition sei es so gelungen, „die Sicherheitsarchitektur Deutschlands nachhaltig zu verbessern“. Von einem „Quantensprung“ für die innere Sicherheit ist die Rede. Oppositionspolitiker von FDP, Grünen und Linken protestierten gegen die überhastete Einigung zwischen SPD und Union und beklagen die drohende Verabschiedung verfassungswidriger Gesetze.

heise newsticker
Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Ich bedanke mich hiermit bei allen Mitbürgern, die einer „abstrakten Gefahrenlage“ so viel Bedeutung beimessen, dass eine relativ unkritische Medienberichterstattung möglich wird und solche Gesetze den deutschen Bundestag passieren können.

Tatsächlich, rechtherzlichen Dank.

Traurig

Sebastian B.s Abschiedsbrief unter Kenntlichmachung, was Bild (und RTL) gekürzt bzw. hinzugefügt hat. Die Gesellschaftsverzweiflung Sebastians scheint nicht gut Auflage zu machen. Nachdem ich diesen Brief gelesen habe, finde ich es geradezu beschämend, dass jetzt die „Killerspieldebatte geführt und die Kinderterroristendatei debattiert wird. Ohne darauf einzugehen, dass der Markenwahn und dergleichen offensichtlich ein großer Teil Sebastians Motiv waren.

Blogwar

Aus Sicht der PR sitzt das StudiVZ auf einer Bombe: Unklare Finanzierung, unschöne Hintermänner, schlechte Erreichbarkeit, wenig sympathisches Handling. Das ist, mit Verlaub, der Stoff, aus dem schelchtes Karma in Hektolitern gekeltert wird. StudiVZ hat noch nicht erklärt, wie sie Geld verdienen wollen.

blogbar
Ab diesem Datum legt sich der „Don“ mit StudiVZ an, länglich aber amüsant zu lesen.

Kurze Zusammenfassung der Geschichte? Nachdem Don sich mit Web 2.0 und der am Horizont auftauchenden dotcom 2.0 Blase beschäftigt hat, hat er sich studiVZ mal näher angeschaut: kopiert von facebook (dem US-Pendant), mit zwielichtigen Beteiligungsverhältnissen, Geschäftsführer, die sich wie Kinder aufführen und einem dicken PR-Gau. Dazu kommt, dass man als studivz-Benutzer nur allzuleicht allzu geheime Daten preisgibt, die, im ebay-alando Stil an facebook verscherbelt werden sollen. Einzig richtige Konsequenz meiner Meinung nach: Profil löschen wenn ihr eins habt, oder noch besser, gar nicht erst eines anlegen.

Contentgeschäft

Executive Summary: die Anwälte der Medienkonzerne rückten YouTube wg. Copyrightverstöße immer mehr auf die Pelle. YouTube musste schnell irgendwoher Geld auftreiben, um die Medienkonzerne ruhigzustellen, also wurde der Verkauf forciert. Mit Aussicht auf Google-Frischgeld ging YouTube zu den Medienhäusern und bot fette Geldsummen als “Stillhalteabkommen”. Das ganze wurde zudem so verpackt (als Investment statt Lizenzeinnahmen), dass die Medienkonzerne diese Einnahmen nicht an die entsprechenden Künstler weitergeben mussten.

blogbar
Sowas ähnliches hatte man sich ja schon gedacht; dass die Absprachen aber derart gewitzt & ausgefuchst sind, so hätten selbst meine Kollegen und ich unsere Gedanken nicht weiterentwickelt.

Contentgeschäft

Executive Summary: die Anwälte der Medienkonzerne rückten YouTube wg. Copyrightverstöße immer mehr auf die Pelle. YouTube musste schnell irgendwoher Geld auftreiben, um die Medienkonzerne ruhigzustellen, also wurde der Verkauf forciert. Mit Aussicht auf Google-Frischgeld ging YouTube zu den Medienhäusern und bot fette Geldsummen als “Stillhalteabkommen”. Das ganze wurde zudem so verpackt (als Investment statt Lizenzeinnahmen), dass die Medienkonzerne diese Einnahmen nicht an die entsprechenden Künstler weitergeben mussten.

blogbar
Sowas ähnliches hatte man sich ja schon gedacht; dass die Absprachen aber derart gewitzt & ausgefuchst sind, so hätten selbst meine Kollegen und ich unsere Gedanken nicht weiterentwickelt.

Mythos Gesetzestreu

Der gesetzestreue Bürger ist ein Mythos. Wenn Politiker ihn beschwören – das sagen zumindest Susanne Karstedt und Stephen Farrall – lügen sie sich und der Gesellschaft in die Tasche: „Die Mehrheit hält sich nicht an die Gesetze.“ Das ist die Quintessenz einer Studie, die die beiden Forscher jüngst im „British Journal of Criminology“ veröffentlicht haben (Bd. 46, S. 1011).

Spiegel Online
Bei der Menge an Menschen, die „ja nichts zu verbergen hat“ wundern mich aber jetzt die Zahlen.

EVE Online

Hilmar: We have about 150 000 subscribers and recently growing fast. The average number of users online is 18 000, recently peaking at over 30 000. So even though EVE Online still only has a fraction of the subscribers of World of Warcraft, EVE players share the same universe with more than ten times as many people as the inhabitants of your average WoW realm.

Virtual Economy

Greencard Diskussion v2.0?

Schon drei Millionen Deutsche leben mittlerweile im Ausland. Erst hat Deutschland, der Exportweltmeister, die Produktionsstätten verlagert, dann die Jobs. Jetzt folgen seine Bürger.

Spiegel Online
Der Ruf nach Green Cards wird wieder lauter, wenn deutsche Fachkräfte dort hin gehen, wo sie mehr verdienen, müssen wir in Deutschland ausgleichen, indem wir den Markt für die bleibenden noch weiter drücken (polemisiert).