Vom Stolze simpler Gemüter

TP: Unwissend, verlogen, heuchlerisch – und stolz darauf?:

Während diese Halbwahrheiten und Machtlosigkeitsmanöver schon zu wahlweise Entsetzen, Frustration und Resignation führen, ist das Verhalten des ehemaligen Staatssekretärs Diwell dann nur noch ein zusätzliches Sahnehäubchen. Diwell, der unter Schily die umstrittene Dienstanweisung zur Onlinedurchsuchung unterzeichnete, gibt als Grund hierfür mittlerweile an, er habe ja nicht gewusst, dass es um Onlinedurchsuchungen ging, sondern sei davon ausgegangen, es ginge um die Beobachtung von abgeschotteten Internetforen.

Gesammelte Dokumentation des Grauens über zusammengebastelte Möchtegernrechtfertigungen der SPD-Ja-Sager zur VDS.

Das erinnert mich an…

TP: Die neue Geheimdienstpolizei:

Lindemanns Kollegin Christina Clemm, die zu dem Verteidigerteam der sieben mutmaßlichen „mg“-Mitglieder gehört, hält die Verwendung von Stasi-Akten zwar für „absolut unzulässig“ und „politisch brisant“. Erstaunt ist sie von dem Rückgriff auf die Archive aber nicht. Den bisherigen Erfahrungen nach benutzten die Ermittlungsbehörden „alles, was sie in die Hände bekommen“. Sie sei nur erstaunt darüber, dass die Verteidiger in den vorliegenden Fällen davon erfahren haben. Dies sei schließlich nicht selbstverständlich.

Als das Stasi-Unterlagengesetz im Dezember 1991 verabschiedet wurde, war von einer so weitreichenden Nutzung keine Rede. In Paragraph 19 wurde damals der Zugriff auf die Datenbestände des DDR-Inlandsgeheimdienstes „durch öffentliche und nicht-öffentliche Stellen“ geregelt. Ein weiterer Paragraph „23“ regelte die „Verwendung von Unterlagen für Zwecke der Strafverfolgung und Gefahrenabwehr“. Begründet wurde dieser Gesetzesabschnitt aber mit notwendigen Ermittlungen gegen ehemalige Geheimdienstmitarbeiter der DDR sowie Personen, gegen die nach internationalen Strafrechtsnormen vorgegangen werden müsse. In jedem Fall sollte der Rückgriff auf DDR-Geheimdienstmaterial die Ausnahme bleiben.

Das erinnert mich an das unten erwähnte Schreiben vom Herrn Thönnes, dass der Rückgriff auf Verbindungsdaten ja nur die Ausnahme bleiben soll…

Hardwarevorfreude

Letzte Woche habe ich meinen EEE PC vorbestellt – bleibt nur noch zu hoffen, dass dieser halbwegs zeitnah kommt, da ASUS in Asien anscheinend schon Lieferprobleme bekommt. Anscheinend ist der Markt für ein (Sub-)Subnotebook ohne Windows doch größer, als von ASUS zuerst angenommen.

Zwar wird das Gerät von ASUS (irgendwie) als Appliance vermarktet (das Gerät für denjenigen, der ins Internet will, aber sich nicht mit der Konfiguration quälen will), doch es ist aber meiner Meinung nach gerade für Technik-Freaks interessant: als homeserver an der DSL-Leitung (wenig Leistungsaufnahme und erweiterbar via USB-Harddisks), als Couch-Zugang zu Wikipedia, wenn die tagesschau mal wieder Fremdworte ‚raushaut, als UMTS-Telefon-Surfboard, als e-reader… die Liste ist lang.

Für denjenigen, der keine Flash-Games spielen möchte und auch mit 3d-Graphik nix am Hut hat, reicht die Leistung dicke aus… und im „schlimmsten Fall“ installiert man dem unbedarften User eine VM mit Windows, einen externen Screen am VGA-Ausgang und los geht’s. Ich bin jedenfalls schon vor dem Release von der Kiste fasziniert.

An ihren Taten sollst du sie erkennen

heise online – Gericht verlangt Herausgabe der IP-Adressen von Benutzern des Erwerbslosenforums:

Vor vier Wochen bereits wurde Martin Behrsing, der für das Erwerbslosenforum verantwortlich ist, vom Aachener Polizeipräsidenten, Abteilung Staatsschutz, zur Herausgabe der IP-Adressen von Teilnehmern des Onlineforums der Erwerbslosen aufgefordert. Sie sollen in einem Ermittlungsverfahren gegen Nutzer des Forums herangezogen werden.

Beschuldigt werden die Nutzer der „Volksverhetzung“ und Billigung von Straftaten, weil sie einen Vorfall am 5. September zum Teil mit Verständnis kommentiert hatten. Eine 46-jährige Erwerbslose hatte an diesem Tag zwei Mitarbeiter des Jobcenters mit der Waffe bedroht und als Geiseln genommen. Nach knapp zwei Stunden war die Aktion unblutig beendet worden. Beispielsweise hatte sich ein Nutzer gefragt: „Was mich dabei wundert: Wieso kommt das nicht öfter vor?“ Manche machten unter anderem willkürliche Sanktionen der Jobcenter mit für die Aktion verantwortlich.

Heute erhielt ich Post von „meinem“ MdB (ich hab‘ ihn nicht gewählt) Franz Thönnes zur Vorratsdatenspeicherung, dass diese ja nur im allerkriminellsten Ausnahmefall genutzt werden würde. Passend dazu zitiere ich mal seinen Kollegen Dr. Wiefelspütz:

Sie werden hinnehmen müssen, daß der Gesetzgeber in Sachen Vorratsdatenspeicherung anderer Meinung ist als Sie. Vorratsdatenspeicherung hat mit Terrorismusbekämpfung relativ wenig zu tun. Ich wäre für die Vorratsdatenspeicherung auch dann, wenn es überhaupt keinen Terrorismus gäbe.

Außer Kontrolle

heise online – Punk-Bands, ostdeutsche Zeitschriften und Journalisten im Überwachungsnetz:

Krasse Überwachungsfälle gegen Punk-Bands, Mitglieder der „ostdeutschen Zeitschrift“ telegraph und andere Pressevertreter sorgen hierzulande verstärkt für Unbehagen. Zum einen ergeben sich immer mehr Details über die Ermittlungen im Fall des staatlichen Vorgehens gegen die „militante gruppe“ (mg) und damit zusammenhängenden Verdächtigen. Demnach haben Fahnder im Auftrag der Bundesanwaltschaft nicht nur Briefe aus der linken Szene an Berliner Tageszeitungen abgefangen, sondern auch im großen Stil Telefongespräche zwischen Journalisten etwa des NDR, der taz und von Spiegel Online abgehört, protokolliert und ohne Anomymisierung zu den Akten gegeben. Die ehemalige DDR-Oppositionszeitschrift telegraph meldet zudem, dass bei den Ermittlungen gegen die mg sogar Material aus persönlichen Stasi-Opferakten interner DDR-Kritiker zur Erstellung eines aktuellen Personenprofils herangezogen worden sein soll.

Eine kleine Dokumentation über Ermittlungen, bei denen drei Brandstifter zu Terroristen gemacht worden sind. Haben die beim BKA und in der Bundesanwaltschaft alle Langeweile, dass sie aus ein paar Anarchos die größte Bedrohung Deutschlands seit der RAF machen wollen?

Außer Kontrolle

heise online – Punk-Bands, ostdeutsche Zeitschriften und Journalisten im Überwachungsnetz:

Krasse Überwachungsfälle gegen Punk-Bands, Mitglieder der „ostdeutschen Zeitschrift“ telegraph und andere Pressevertreter sorgen hierzulande verstärkt für Unbehagen. Zum einen ergeben sich immer mehr Details über die Ermittlungen im Fall des staatlichen Vorgehens gegen die „militante gruppe“ (mg) und damit zusammenhängenden Verdächtigen. Demnach haben Fahnder im Auftrag der Bundesanwaltschaft nicht nur Briefe aus der linken Szene an Berliner Tageszeitungen abgefangen, sondern auch im großen Stil Telefongespräche zwischen Journalisten etwa des NDR, der taz und von Spiegel Online abgehört, protokolliert und ohne Anomymisierung zu den Akten gegeben. Die ehemalige DDR-Oppositionszeitschrift telegraph meldet zudem, dass bei den Ermittlungen gegen die mg sogar Material aus persönlichen Stasi-Opferakten interner DDR-Kritiker zur Erstellung eines aktuellen Personenprofils herangezogen worden sein soll.

Eine kleine Dokumentation über Ermittlungen, bei denen drei Brandstifter zu Terroristen gemacht worden sind. Haben die beim BKA und in der Bundesanwaltschaft alle Langeweile, dass sie aus ein paar Anarchos die größte Bedrohung Deutschlands seit der RAF machen wollen?

Zeichen und Wunder!

heise online – Aus für den digitalen Wahlstift:

Noch vor der Sitzung des Verfassungsausschusses der Hamburger Bürgerschaft am heutigen Freitagnachmittag ist das Aus für den digitalen Wahlstift beschlossene Sache. Wie das Hamburger Abendblatt in seiner heutigen Ausgabe berichtet, haben sich die Vorsitzenden der drei in der Bürgerschaft vertretenen Parteien CDU, SPD und GAL in der vergangenen Nacht darauf verständigt, dass das elektronische Stimmerfassungssystem zur Bürgerschaftswahl am 24. Februar 2008 überhaupt nicht eingesetzt wird – auch nicht als Zählhilfe zur Unterstützung der manuellen Auszählung.

Da beglückwünsche ich mal die Hamburger! Allerdings mit Abstrichen, denn Hamburg hat (bevor überhaupt klar war, ob das System verwendet wird oder nicht) 4,5 Mio. € für Wahlstifte ausgegeben, die wohl demnächst bei ebay o. ä. zu haben sein dürften…

We’re all living in America!

TP: Die Propädeutik der Biedermänner:

Eines haben die Neubürgerlichen bereits erreicht, nämlich die öffentliche Debatte zu bestimmen. „Haben wir schon die Scharia?“, titelte DER SPIEGEL am 26. März 2007. Und als Kronzeuge dafür, dass viele Gerichtsurteile bereits „Islam-Fundamentalisten in die Hände spielten“ kam Udo Di Fabio zu Wort, der die Toleranz der Justiz und die Grenzen des Grundgesetzes auslotete. „Der Zeitgeist ist konservativ aus Sehnsucht nach Strenge und Ordnung“, diagnostizierte Jürgen Busche, die nötige Begründung wurde nun von Söder u.a nachgereicht, denn „weil Deutschland derzeit anscheinend nach links rückt, muss eine bürgerliche Alternative erkennbar sein“ (Söder, Mappus, Mißfelder, Wüst). Doch die neu verpackten, alten Thesen der Neubürgerlichen, Neo-Spießer bzw. Bürgerlich-Konservativen dürfen nicht ohne Widerspruch bleiben. Dieser Beitrag richtet sich explizit gegen den Vormarsch der modern verkleideten Biedermänner.

Sie haben sich gefunden: die Deutschen Neocons, die inhaltsleer von „Werten“ schwafeln.

Informantenschutz, Pressefreiheit

Terrorermittlungen: Lauschangriff auf Journalisten – Politik – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten:

Spähen, spitzeln, spionieren: Die Bundesanwaltschaft hat Gespräche von Journalisten mit einem Informanten aus der linken Szene abhören lassen und die Inhalte der vertraulichen Unterredungen verbreitet. Auch ein SPIEGEL-ONLINE-Redakteur wurde belauscht.

Kein Tag ohne dererlei Meldungen momentan. Natürlich ist auch wieder der Willkürsparagraph §129a StGB im Spiel.

Der Zweck heilige die Mittel

TP: Anti-Terror mit der Stasi:

Mit der Losung „Stasi 2.0“ mobilisieren Bürger- und Menschenrechtsaktivisten derzeit zu Protesten gegen die neue Überwachungspolitik der Bundesregierung. Ob Vorratsdatenspeicherung, flächendeckende Kameraüberwachung oder „Bundestrojaner“ – Gründe für Besorgnis gibt es unter der großen Koalition genug. Nun ist ein weiterer hinzugekommen: Nach Informationen, die der Telepolis-Redaktion vorliegen, hat das Bundeskriminalamt (BKA) in den laufenden Ermittlungen (Andrej H., § 129a und die verdächtigen Begriffe) gegen mutmaßliche Mitglieder einer linksradikalen Organisation mit dem Namen „militante gruppe“ (mg) systematisch auf Datenmaterial des Ministeriums der Staatssicherheit (MfS) der DDR zurückgegriffen.

Na, vielleicht tun sich da ja noch ganz andere Synergieeffekte auf? Vielleicht sollte man die Mielkebehörde wieder aufmachen? Ach ne, wir sind ja schon dabei, die Idee hatte schon ein Anderer.